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Neues Forschungsprojekt am Johanniter-Krankenhaus Radevormwald

Erneut forscht die Bergische Universität am Johanniter-Krankenhaus – und diesmal ist sogar das international sehr renommierte Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld mit dabei:

Ab Oktober 2008 untersucht die Wuppertaler Sprachwissenschaftlerin Susanne Uhmann „chirurgische Fälle“, um Kommunikation und Handlungsmuster der Beteiligten zu analysieren. Langfristig können die Ergebnisse des Forschungsprojektes dabei helfen, Prozesse im Krankenhaus und die Kommunikation im Operationssaal zu verbessern.

 

Was wurde warum und wann entschieden und wer kann wann und wie auf welche Informationen zugreifen? Nachdem 2005 die Besonderheiten der Kommunikationsstrukturen im Operationssaal (OP) im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses standen, werden nun chirurgische Fälle komplett – also von der Patientenaufnahme bis zur -entlassung – genau unter die Lupe genommen: „Wir interessieren uns zum Beispiel dafür, welche Informationen den Ärzten im Operationssaal zur Verfügung stehen, wie diese Informationen strukturiert sind und wann sie abgerufen werden“, erläutert Prof. Susanne Uhmann.

 

Aber auch die Krankenakte selbst steht auf dem Prüfstand. Denn das Johanniter-Krankenhaus hat bereits teilweise auf digitale Krankenakten umgestellt. Dadurch sind Patienteninformationen an unterschiedlichen Arbeitsplätzen – auch im Operationssaal – zeitgleich verfügbar. „Die Umstellung ist aber noch nicht abgeschlossen, so dass die Erkenntnisse des Forschungsprojektes gegebenenfalls zur Optimierung dieses Prozesses beitragen können“, ergänzt Krankenhausleiter Dr. Reinhold Hikl.

 

Grundlage der Studie sind Daten, die 2005 während des Projektes „OP-Kommunikation“ erhoben wurden. Damals zeichnete die Sprachwissenschaftlerin im Rahmen endoskopischer Operationen der Gallenblase parallel zu den Bildern der Endoskopie die Kommunikation des OP-Teams über ein Mikrofon auf. So gelangten sie an authentisches Datenmaterial, das nun um weitere Informationen wie die Patientenakten ergänzt wird. Prof. Susanne Uhmann: „Bei Bedarf haben wir die Möglichkeit, auch noch einmal Aufzeichnungen im OP machen zu können. Die Zusammenarbeit war beim ersten Mal schon hervorragend, so dass wir die Chance – wenn nötig – gerne nutzen.“

 

Wie die Ergebnisse ausfallen werden, lässt sich im Moment nicht vorhersagen. Auch wenn – wie im ersten Forschungsprojekt von Prof. Susanne Uhmann am Radevormwalder Krankenhaus – nicht allzu viel Handlungsbedarf deutlich wird, kann der Nutzen trotzdem enorm sein. „Das Wissen, dass ein Konzept gut funktioniert, kann auch in anderen Bereichen von Vorteil sein“, macht Dr. Reinhold Hikl deutlich. „In diesem Sinne werden wir also auf jeden Fall durch die Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität und dem ZiF profitieren.“ Aber auch der Nutzen für die Forscher wird außerordentlich groß sein, denn bisher sind Kooperationen dieser Art und die enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis noch die große Ausnahme.

 

Hintergrund:

Der genaue Titel des Forschungsprojektes lautet "Der Fall als Fokus professionellen Handelns. Interaktive, sprachliche und mediale Verfahren der Formierung von Fällen in medizinischen und juristischen Kontexten". Es findet vom 01. Oktober 2008 bis 31. März 2009 im Rahmen einer vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung finanzierten Kooperationsgruppe statt. Das ZiF ist eine international sehr renommierte Einrichtung der Universität Bielefeld. Als "Institute for Advanced Studies" fördert es schwerpunktmäßig internationale und interdisziplinäre Forschungsprojekte aller Disziplinen. Für dieses Forschungsprojekt wird es drei Arbeitsschwerpunkte geben: Juristische, psychiatrische und chirurgische "Fälle", an denen eine Gruppe von Juristen, Medizinern, Soziologen und Linguisten arbeiten wird.

 

 

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